Woche Nr. 7
Langsam macht sich der Herbst bemerkbar, und meine Stimmung ist
ziemlich gedrückt. Bald muss ich mich von Wien verabschieden, obwohl ich überhaupt
nicht bereit dafür bin.
Ich setze meine Arbeit mit den Unterlagen der Seeluftwaffe der Geschäftsgruppe Nr. 3 der Marinesektion des kaiserlichen und königlichen Kriegsministeriums während des Ersten Weltkriegs fort. Und dies wird sicherlich bis zum Ende meines Praktikums so bleiben. Immerhin habe ich mit den Unterlagen aus dem Jahr 1915 begonnen und bin chronologisch bis zum Jahr 1917 vorangeschritten. Das Ende des Kriegs und auch das der Habsburger Monarchie rücken also langsam, aber stets näher.
Inhaltlich lerne ich, ähnlich wie in der letzten Woche, wie technokratisch ein Krieg sein kann. Dabei stoße ich sehr oft auf Zahlungsanforderungen von heute noch bekannten deutschen Autokonzernen wie B* oder D*. Ich habe auch mehrere Zahlungsanforderungen von einem bekannten tschechischen Autohersteller S* gelesen. Sie lieferten damals – ohne Details zu nennen – erhebliche Mengen Kriegsbedarf und verlangten enorme Summen vom Kriegsministerium. Es ist erstaunlich, dass wir diese Konzerte heute als Schlüsselindustrie feiern, obwohl sie damals Kriegsprofiteure waren. Ob sie heute noch ein schlechtes Gewissen gegenüber den 17 Millionen Todesopfern des Ersten Weltkriegs haben? Bestimmt nicht. Was soll man dazu sagen… (Blut-)Geld kennt keine Moral und hat kein Gewissen, auch nicht in Kriegszeiten.
Beim Durchlesen habe ich auch einen interessanten Stempel gefunden:
Aber am Montag hatte ich eine schöne Gelegenheit, den Krieg zu entfliehen und etwas sehr Opulentes zu sehen. Mein Betreuer hat mir eine Führung durch das Haus-, Hof- und Staatsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs organisiert. Das Archiv befindet sich im historischen Archivbau, der auch das Österreichische Bundeskanzleramt beherbergt. Das Archiv ist gewissermaßen das Gedächtnis der Habsburger Monarchie. Alle Unterlagen aus der Kaiserzeit sowie von Hofämtern und von der Reichskanzlei werden in diesem Archiv aufbewahrt. Seine Urkunden- und Siegelsammlungen zählen zu den bedeutendsten und umfangreichsten der Welt. Eine solche Gelegenheit, dieses ehrwürdige Haus zu besichtigen, erhält man nicht alle Tage.
Am Samstag habe ich an einer Wanderung mit Vogelbeobachtung am Neusiedler See teilgenommen, der etwa 60 Minuten von Wien mit der Regionalbahn entfernt liegt.


