Woche Nr. 5
Schon sind die fünf Wochen vergangen, und bereits vermisse
ich Wien, obwohl ich noch drei Wochen Zeit habe.
Ich war mir nicht sicher, ob ich die Verzeichnung von Aufführungsunterlagen der Volksoper Wien zu Ende führen könnte. Es war bereits vorgesehen, dass ich am Mittwoch die Abteilung wechsele. Also hatte ich noch zwei Tage, um alles abzuschließen. Ich habe tatsächlich mit Ach und Krach die Verzeichnung komplettiert. Nicht nur ich, sondern auch meine Betreuerin war damit sehr zufrieden.
Und dann kam der vorangekündigte Wechsel vom Archiv der Republik zum Kriegsarchiv. Das Kriegsarchiv ist eine der vier Abteilungen des österreichischen Staatsarchivs. Der Name lässt bereits vermuten, dass das Sammelprofil hauptsächlich in der Militär- und Kriegsgeschichte liegt. Vielleicht klingt der Name "Kriegsarchiv" ein wenig martialisch, aber die größten Teile der Überlieferungen stammen vom früheren Verteidigungsministerium, das damals den Hofkriegsrat oder das kaiserliche und königliche Kriegsministerium hieß.Das Kriegsarchiv hat eine sehr auffällige Flurausstellung (jede Abteilung hat eine eigene Flurausstellung, die leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist). Ich fragte mich, woher das Modell überhaupt stammt. Bestimmt nicht aus einer Akte des k.u.k. Kriegsministeriums.
Im Zuge des Wechsels habe ich eine Führung durch die Bestände des Kriegsarchivs erhalten. Das heutige Österreich hat keinen direkten Zugang zum Meer, aber in der Habsburger Zeit schon. Daher unterhielt das Kriegsministerium auch eine Marinesektion, zu der wiederum eine eigene Seeluftwaffe gehörte. Die Marinesektion besteht aus drei Teilbeständen: Präsidialkanzlei, Operationskanzlei und Geschäftsgruppen. Die Seeluftwaffe wurde unter der Geschäftsgruppe Nr. 3 geführt. Diese wurde bereits verzeichnet und kann auch online im Archivinformationssystem des Österreichischen Staatsarchivs recherchiert werden. Allerdings besteht bereits großes Interesse daran, den Bestand weiter nachzuverzeichnen. Diese Nachverzeichnung wird meine Hauptaufgabe im Kriegsarchiv sein. Und es geht um die Marine und Luftwaffe in der Zeit des Ersten Weltkriegs. Wie umfangreich der Bestand sein könnte, kann man sich sicherlich vorstellen. Über einen Mangel an Arbeit werde ich mich bestimmt nicht beklagen.
Eine andere Seite des Ersten Weltkriegs habe ich durch eine Führung meines Kollegen kennengelernt, der den Bestand "Kriegsverluste" betreut. Wenn man eine sogenannte Totenkartei mit einem im Krieg gefallenen 18-jährigen Jungen in der Hand hält, denkt man wirklich darüber nach, wofür er eigentlich gestorben ist.
Apropos Sterben… Ich wollte immer Salzburg vor meinem Ableben besuchen. Das habe ich endlich am letzten Wochenende geschafft.

