Woche Nr. 3

Sollte ich bereits in Panik geraten? Die dritte Woche ist schon vorbei, und ich habe noch so viel zu sehen und zu erledigen…


Schon am Montag hatte ich wieder Vergnügung daran, Benutzer im Forschersaal zu betreuen. Ich muss zugeben, es war eine überraschend angenehme Erfahrung. Wie der Name "Forschersaal" bereits andeutet, sind die Benutzer normalerweise im wissenschaftlichen Bereich tätig. Ich habe noch nie eine Reservierungsliste für den Forschersaal gesehen, auf der so viele Titel wie Prof. oder Dr. standen (In Österreich ist es sehr wichtig, den Titel korrekt anzugeben, selbst wenn es nur um eine Platzreservierung geht). Und sie verhalten sich auch äußerst korrekt und höflich. Wenn man ihnen sagt, dass sie bitte nur Bleistift verwenden sollen und dass Kamera ohne Blitz benutzt werden sollten, halten sie sich an diese Anweisungen anstandslos. Ja, so sind halt gebildete Menschen… Und ich habe mich mit einem Historiker unterhalten. Er schreibt gerade ein Buch über Habsburger und seine Handelsbeziehung zu Japan und Korea im 19. Jahrhundert. Er war so belesen und kannte sich so gut mit Korea aus, dass ich wirklich ins Schwitzen kam. Mein Geschichtsunterricht über Korea im 19. Jahrhundert liegt, wenn ich kurz darüber nachdenke, bereits über 30 Jahre zurück.

Die Verzeichnung der Personalakten der Volksoper Wien aus den 90ern setze ich fort. Langsam kann man sehen, dass das Ende näher rückt. Inzwischen habe ich die Aktenstaffel entsprechend der Höhe des Archivkartons neu organisiert, um sie später einfach liegend in den Karton umverpacken zu können.

Außerdem habe ich meinem Kollegen kurz dabei geholfen, Kabinettsunterlagen aus der Kanzlerschaft von Franz Vranitzky umzuorganisieren. Er ist ein ehemaliger österreichischer Bundeskanzler von 1986 bis 1997. Seine Kabinettsunterlagen wurden nach Ablauf der Schutzfrist von 30 Jahren freigegeben und in unser Archiv überführt. Entsprechend der Provenienz, dem Bundeskanzleramt, haben wir die Unterlagen zuerst im Speicher untergebracht. Sie müssen bald erschlossen werden. Allerdings fehlt mir das Wissen über die Struktur des österreichischen Bundeskanzleramts, daher werde ich nicht an ihrer Erschließung mitarbeiten.

In der kommenden Woche werde ich die Verzeichnung der Personalakten der Volksoper Wien abschließen, sie kartonieren und im Speicher magazinieren, in dem das Archivgut des Ministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport aufbewahrt wird.

Am letzten Wochenende habe ich an einer Weinwanderung in Baden an der Wien teilgenommen. Und unter der Woche sind meine Kollegen und ich gemeinsam in den Wiener Prater gegangen.